Waldgutachten 2020 statt Waldstrategie 2050 Kritik an der Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik des Landwirtschaftsministeriums

Berlin (18.08.2020): Anlässlich der Tagung „Sind unsere Wälder noch zu retten?“ des Bundesamts für Naturschutz nimmt ein Autorenkollektiv aus Mitarbeiter*innen der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, der Naturwald Akademie, der Deutschen Umweltstiftung sowie von Wohllebens Waldakademie zum Eckpunktepapier des Wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung Stellung (Vollständige Stellungnahme zum Download).

Der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik des Bundeslandwirtschaftsministeriums (WBW) hat eine Stellungnahme zum Eckpunkte-Papier „Waldstrategie 2050“ der Bundesregierung vorgelegt, welche die Diagnostik und v.a. die vorgeschlagenen Strategien zum Umgang mit der Waldkrise in Deutschland konkretisiert.

Eine Waldstrategie 2050 ist, wenn sie sich auf die Zukunft in 30 Jahren bezieht, ihren Namen nicht wert, da derzeitig – wegen der ausgeprägten Waldkrise – nicht einmal fünf Jahre in die Zukunft des Waldes in Deutschland gesehen werden kann.

Der WBW versäume eine kritische Aufarbeitung der Fehler in der vergangenen Waldbewirtschaftung. Es bestehe das Risiko dass neue gravierende Fehler gemacht würden. Explizit lege der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik in seinem Dokument etwa eine Abkehr von Grundsätzen der naturnahen Waldbewirtschaftung nahe. Dies bedeute unter anderem, dass der WBW eine stärkere Nutzung, eine Absenkung der Vorräte und des Alters der Wälder vorschlägt. Naturverjüngung und einheimische Arten sollten laut WBW eine deutlich geringere Rolle bei der Waldentwicklung spielen.

Es wird auch kritisiert, dass der Beirat diverse internationale Studien nicht berücksichtigt, die eine stärkere Nutzung der Wälder als Option für den Klimaschutz überaus kritisch sehen.

Risiken, die sich aus den vom Beirat vorgeschlagenen Strategien ergeben und auch mit den aktuellen Räumungskahlschlägen zur Beseitigung von Schadholz und den Neupflanzungen auf Kahlflächen ergäben, würden nicht behandelt.

Das Autorenkollektiv fordert die Erarbeitung eines ‚Nationalen Waldgutachtens 2020‘ unter Einbeziehung aller relevanter wissenschaftlicher Disziplinen, welches eine ausgewogene Entscheidungsgrundlage für den Umgang mit der Waldkrise bereitstellen soll. Es geht dabei um eine aktuelle Darstellung von wissenschaftlichem Konsens und Dissens zum Zustand der Waldökosysteme und künftiger Risiken als Entscheidungsgrundlage für das kurzfristige Management, für die Orientierung der Waldpolitik sowie für die Diskussion einer langfristigen Waldstrategie mit Akteur*innen und Bürger*innen.

Für Rückfragen stehen Ihnen zur Verfügung:

Prof. Dr. Pierre L. Ibisch
Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
Centre for Econics and Ecosystem Management
Ehrenamtl. Stv. Vorsitzender der
Deutschen Umweltstiftung
Telefon 015155155234
pierre.ibisch@hnee.de

Dr. Torsten Welle
Leiter Wissenschaft
Naturwald Akademie gGmbH
Tel.: +49 (0)451-693980-56
welle@naturwald-akademie.org
www.naturwald-akademie.org

Matthias Fischer
Öffentlichkeitsarbeit
Naturwald Akademie
Telefon: +49 (0) 163 428 84 04
fischer@naturwald-akademie.org