Zusammenarbeit gestalten: Moderne Führung in NGOs NGOplus-Dialog am 27. Mai 2026

Am 27. Mai 2026 nahmen rund 130 Teilnehmende am NGOplus-Dialog „Zusammenarbeit gestalten: Moderne Führung in NGOs“ teil. Im Mittelpunkt stand ein Thema, das viele Vereine, Stiftungen und gemeinnützige Organisationen aus ihrem Alltag kennen: Wie gelingt Führung dort, wo Menschen aus Überzeugung arbeiten, Hierarchien oft flach sind, Entscheidungen mit Gremien abgestimmt werden müssen und Haupt- und Ehrenamt eng zusammenwirken?

Die Veranstaltung war Teil der NGOplus-Reihe der Deutschen Umweltstiftung, die seit 2023 praxisorientierte Organisationsentwicklung für den Non-Profit-Bereich anbietet. Auch dieser Abend war bewusst auf die konkrete Arbeit in Organisationen ausgerichtet. Es ging nicht um Führung als abstraktes Managementthema, sondern um Situationen, die in NGOs immer wieder auftreten: unklare Rollen zwischen Vorstand und Geschäftsstelle, Verantwortung im Ehrenamt, Entscheidungen in flachen Hierarchien, Feedback, Konflikte, Beteiligung und der Umgang mit Macht.

Dabei wurde schnell deutlich: Moderne Führung in NGOs ist keine Frage eines einzelnen Führungsstils. Sie entscheidet sich im Alltag, z. B. in Gesprächen, Rollenklärungen, Entscheidungswegen, Projektstrukturen und im Umgang mit Konflikten. Führung ist damit ein praktischer Teil von Organisationsentwicklung.

Warum Führung in NGOs ein besonderer Hebel ist

Gute Führung unterscheidet sich in NGOs nicht grundsätzlich von guter Führung in anderen Organisationen. Auch hier braucht es Orientierung, Vertrauen, klare Kommunikation, gute Entscheidungen und die Fähigkeit, Menschen in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Gleichzeitig arbeiten gemeinnützige Organisationen unter besonderen Bedingungen: Viele haben knappe Ressourcen, eine hohe Arbeitsdichte und eine starke Werteorientierung. Entscheidungen müssen häufig mit Vorständen, Mitgliederversammlungen, Stiftungsräten, Kuratorien oder anderen Gremien abgestimmt werden. Hauptamtliche und Ehrenamtliche arbeiten eng zusammen, aber unter sehr unterschiedlichen Voraussetzungen.

Hinzu kommt: Viele Mitarbeitende und Engagierte identifizieren sich stark mit der Organisation und ihrer Mission. Das ist eine große Stärke, kann aber auch dazu führen, dass Grenzen verschwimmen, Belastung zu spät angesprochen wird oder Konflikte aus Rücksicht auf „die gute Sache“ zu lange liegen bleiben. Gerade deshalb wird Führung in NGOs manchmal ambivalent wahrgenommen. Einerseits wünschen sich viele Organisationen Beteiligung, Augenhöhe und Selbstorganisation. Andererseits entstehen Frust und Unsicherheit, wenn niemand entscheidet, Zuständigkeiten unklar bleiben oder jede Entscheidung in langen Abstimmungsschleifen landet.

Der Abend machte deutlich: Gute Führung in NGOs bedeutet nicht, möglichst wenig zu führen. Sie bedeutet, Beteiligung und Klarheit miteinander zu verbinden. Menschen sollen mitgestalten können, ohne dass Verantwortung diffus wird. Teams sollen Freiräume haben, ohne Orientierung zu verlieren. Gremien sollen strategisch führen, ohne dauerhaft in operative Aufgaben hineinzuregieren. Eine Formulierung zog sich dabei als roter Faden durch den Abend:

So viel Beteiligung wie möglich, so viel Führung wie nötig.

Management und Leadership: beides wird gebraucht

Zu Beginn wurde der Unterschied zwischen Management und Leadership herausgearbeitet. Management konzentriert sich auf Prozesse, Systeme, Planung und Verlässlichkeit. Es sorgt dafür, dass Aufgaben organisiert, Abläufe geklärt, Ressourcen eingesetzt und Ziele erreicht werden. Leadership richtet den Blick stärker auf Menschen, Visionen, Entwicklung und Veränderung.

Für NGOs ist diese Unterscheidung besonders hilfreich, weil viele Organisationen beides gleichzeitig brauchen. Ohne Management entstehen unklare Zuständigkeiten, doppelte Arbeit und überforderte Teams. Ohne Leadership fehlt die gemeinsame Richtung, die Menschen motiviert und durch schwierige Phasen trägt. Viele gemeinnützige Organisationen arbeiten stark sinnorientiert. Menschen engagieren sich, weil sie gesellschaftlich etwas bewegen wollen. Diese Sinnorientierung ist eine wichtige Ressource. Sie ersetzt aber keine Struktur. Wer Wirkung erzielen will, braucht nicht nur eine überzeugende Mission, sondern auch Prioritäten, Entscheidungswege, Zuständigkeiten und Routinen.

Leadership beantwortet die Frage: Wofür tun wir das?

Management beantwortet die Frage: Wie setzen wir es verlässlich um?

Gute Führung in NGOs muss beide Ebenen zusammenbringen. Das zeigt sich besonders in Projekten. Eine Organisation kann eine starke Vision haben, etwa mehr Menschen für Umwelt- oder Klimaschutz zu begeistern. Damit daraus Wirkung entsteht, braucht es konkrete Ziele, Rollen, Zeitpläne, Verantwortlichkeiten und eine regelmäßige Überprüfung: Was hat funktioniert? Was hat sich verändert? Wo müssen wir nachsteuern?

Führungsstile: kein Patentrezept, sondern situatives Handeln

Ein Schwerpunkt des Abends lag auf unterschiedlichen Führungsstilen. Dabei ging es nicht darum, einen „richtigen“ Stil zu finden. Führung muss zur Situation, zum Team, zur Aufgabe und zum Erfahrungsstand der Beteiligten passen. Gerade in NGOs ist diese Einsicht wichtig. Viele Organisationen arbeiten mit flachen Hierarchien, hoher Eigenmotivation, knappen Ressourcen und ehrenamtlichem Engagement. Führung kann hier nicht allein über formale Macht funktionieren. Gleichzeitig reicht es nicht, nur auf Selbstorganisation und gute Absichten zu setzen.

Hilfreich ist deshalb ein flexibler Blick auf Führungsstile. In manchen Situationen braucht es Beteiligung, in anderen Orientierung. Manchmal muss eine Entscheidung schnell und klar getroffen werden. Manchmal ist es wichtiger, Menschen zu begleiten, damit sie selbst Verantwortung übernehmen können. Und manchmal ist es richtig, erfahrenen Teams bewusst Freiräume zu lassen.

Dieser Führungsstil trifft in vielen NGOs zunächst auf Skepsis. Er steht für klare Anweisungen, wenig Mitsprache und Entscheidungen, die von der Führungskraft allein getroffen werden. Das passt auf den ersten Blick schlecht zu Organisationen, die Beteiligung, demokratische Werte und Zusammenarbeit auf Augenhöhe betonen. Trotzdem gibt es Situationen, in denen ein klarer, direktiver Zugriff notwendig sein kann: wenn eine rechtliche Pflicht erfüllt werden muss, eine Frist für einen Förderantrag unmittelbar bevorsteht, eine finanzielle Notlage schnelles Handeln erfordert oder ein öffentlich sichtbarer Fehler korrigiert werden muss. Dann kann zu viel Abstimmung handlungsunfähig machen.

Problematisch wird dieser Stil, wenn er zur Grundhaltung wird. Viele Menschen engagieren sich in Vereinen, Initiativen oder Stiftungen gerade deshalb, weil sie mitdenken und mitgestalten wollen. Werden sie dauerhaft nur angewiesen, sinken Motivation, Identifikation und Verantwortungsbereitschaft. Autoritäre Führung kann deshalb in NGOs ein Ausnahmeinstrument sein. Sie sollte gut begründet und anschließend transparent erklärt werden. Nach einer schnellen Entscheidung braucht es wieder Raum für Auswertung, Beteiligung und gemeinsames Lernen.

Der kooperative oder demokratische Führungsstil passt deutlich stärker zum Selbstverständnis vieler NGOs. Er setzt auf Beteiligung, Austausch und gemeinsame Entscheidungsfindung. Mitarbeitende, Ehrenamtliche oder Projektbeteiligte werden aktiv einbezogen. Gerade in gemeinnützigen Organisationen ist Beteiligung nicht nur Methode, sondern oft Teil der eigenen Identität. Menschen bringen Fachwissen, Erfahrung, Kontakte, lokale Perspektiven oder persönliche Motivation ein. Wenn diese Ressourcen ernst genommen werden, entstehen bessere Entscheidungen und eine stärkere Identifikation mit den Ergebnissen.

Kooperative Führung ist besonders hilfreich bei Strategieprozessen, Projektentwicklung, Leitbildarbeit, Teamfragen oder der Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen. Gerade bei komplexen gesellschaftlichen Themen ist es wertvoll, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen. Gleichzeitig hat demokratische Führung Grenzen. Wenn alles gemeinsam entschieden werden soll, werden Prozesse schnell langsam und ermüdend. Beteiligung kann auch frustrieren, wenn unklar bleibt, ob Beiträge wirklich Einfluss haben. Damit kooperative Führung gelingt, braucht sie einen klaren Rahmen: Worüber wird beraten? Wer entscheidet? Welche Spielräume bestehen? Bis wann muss eine Entscheidung fallen?

Beim Laissez-faire- oder delegierenden Führungsstil hält sich die Führungskraft stark zurück. Das Team entscheidet selbst, wie es arbeitet, welche Schritte es geht und wie es Ziele erreicht. Dieser Stil kann sehr motivierend sein, wenn Menschen erfahren, kompetent und selbstorganisiert sind. In NGOs kann das gut funktionieren, weil viele Organisationen mit Menschen arbeiten, die sehr engagiert sind und viel Fachwissen mitbringen. Gerade erfahrene Projektteams, Arbeitsgruppen oder Ehrenamtliche können besser arbeiten, wenn sie nicht eng kontrolliert werden.

Gleichzeitig wird Laissez-faire in NGOs manchmal mit guter Beteiligung verwechselt. Wenn Führungskräfte sich nicht einmischen, klingt das zunächst nach Vertrauen. In der Praxis kann es aber dazu führen, dass Rollen unklar bleiben, Entscheidungen liegen bleiben, Konflikte nicht bearbeitet werden und Verantwortung diffus wird. Delegierende Führung funktioniert deshalb nur mit einem klaren Rahmen. Menschen brauchen ein gemeinsames Ziel, definierte Entscheidungsspielräume, klare Zuständigkeiten und verlässliche Rückkopplung. Ohne diesen Rahmen wird Freiheit schnell zur Überforderung.

Visionäre Führung gibt Orientierung. Sie verbindet die tägliche Arbeit mit einem größeren Ziel und hilft Menschen zu verstehen, wofür ihr Einsatz wichtig ist. Dieser Stil ist für NGOs besonders bedeutsam, weil gemeinnützige Organisationen stark von Sinn und gesellschaftlicher Wirkung leben. Viele Menschen engagieren sich in NGOs nicht wegen Geld, Status oder Karriere, sondern weil sie etwas verändern wollen. Visionäre Führung kann diese Motivation stärken: Ein Newsletter ist dann nicht nur ein Newsletter, sondern ein Weg, Menschen zu informieren, zu aktivieren oder für ein Anliegen zu gewinnen. Eine Veranstaltung ist nicht nur ein Termin, sondern ein Ort, an dem Austausch, Lernen und Veränderung möglich werden.

Besonders hilfreich ist visionäre Führung in Veränderungsprozessen, nach Krisen oder wenn Teams Orientierung verlieren. Sie kann Energie freisetzen und helfen, Prioritäten zu setzen. Der Stil hat aber auch eine Schattenseite. Wenn die Vision nur von einer Person getragen wird, können andere Perspektiven untergehen. Außerdem besteht das Risiko, dass große Ziele betont werden, während operative Engpässe, Belastung oder Ressourcenfragen zu wenig Beachtung finden. Eine Vision darf deshalb nicht nur verkündet werden. Sie muss gemeinsam übersetzt werden: Was bedeutet sie für unsere Projekte, unsere Ressourcen, unser Team und unsere nächsten Entscheidungen?

Coachende Führung unterstützt Menschen dabei, ihre Stärken zu entwickeln, Kompetenzen aufzubauen und Verantwortung zu übernehmen. Die Führungskraft gibt nicht nur Antworten, sondern stellt Fragen, gibt Feedback, schafft Lernräume und begleitet Entwicklung. Für NGOs ist dieser Stil besonders wertvoll, weil Verantwortung oft bei wenigen Schlüsselpersonen liegt. Einzelne wissen, wie Förderanträge geschrieben werden, wie bestimmte Partner angesprochen werden oder wie ein Projekt organisatorisch funktioniert. Wenn dieses Wissen nicht weitergegeben wird, entstehen Abhängigkeiten und Engpässe.

Coachende Führung hilft, Verantwortung schrittweise zu verteilen. Das ist besonders hilfreich bei neuen Mitarbeitenden, jungen Engagierten, Projektleitungen oder Ehrenamtlichen, die mehr Verantwortung übernehmen möchten, sich aber noch unsicher fühlen. Unter Druck greifen Führungskräfte oft schneller selbst ein, weil es kurzfristig effizienter erscheint. Langfristig bleibt Verantwortung dadurch aber bei ihnen hängen. Coachende Führung ist deshalb nicht immer der schnellste Weg, aber oft der nachhaltigere. Organisationen werden stabiler, wenn Wissen, Entscheidungskompetenz und Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt sind.

Der gefühlsorientierte Führungsstil legt den Schwerpunkt auf Vertrauen, Zusammenhalt und ein gutes Miteinander. Die Führungskraft achtet auf Beziehungen, Stimmung und emotionale Belastungen im Team. Dieser Stil spielt in NGOs eine große Rolle. Gemeinnützige Arbeit kann sehr sinnstiftend sein, aber auch belastend. Viele Organisationen arbeiten an Themen wie Klimakrise, sozialer Ungleichheit, Demokratie, Menschenrechten oder Bildungsgerechtigkeit. Hinzu kommen knappe Ressourcen, Projektunsicherheit und hoher Anspruch an die eigene Arbeit.

Gefühlsorientierte Führung kann Vertrauen stärken, Konflikte früh sichtbar machen und Bindung fördern. Sie ist besonders hilfreich in neuen Teams, nach belastenden Phasen, bei Konflikten oder wenn haupt- und ehrenamtliche Perspektiven zusammengebracht werden müssen. Kleine Formate wie Check-ins, Reflexionsrunden oder bewusstes Anerkennen von Beiträgen können hier viel bewirken. Gleichzeitig darf Harmonie nicht wichtiger werden als Klarheit. Wenn Kritik vermieden wird, schwierige Entscheidungen aufgeschoben werden oder schlechte Leistung aus Rücksicht nicht angesprochen wird, entstehen verdeckte Konflikte. Dieser Stil ist deshalb dann stark, wenn er Wertschätzung mit Verbindlichkeit verbindet.

Der befehlende oder direktive Führungsstil setzt auf klare Vorgaben, feste Strukturen und direkte Anweisungen. Er ähnelt dem autoritären Stil, wird in modernen Führungsmodellen aber stärker situativ verstanden: nicht als dauerhafte Haltung, sondern als Führungsverhalten für Situationen, in denen schnelle Orientierung notwendig ist. In NGOs kann dieser Stil in Krisen, Notfällen oder bei hohem Risiko sinnvoll sein – etwa wenn eine Veranstaltung unmittelbar bevorsteht, eine Datenschutzfrage dringend geklärt werden muss, eine finanzielle Entscheidung keinen Aufschub erlaubt oder ein öffentlicher Konflikt eskaliert.

Auch bei unerfahrenen Teams oder neuen Ehrenamtlichen kann direktive Führung zeitweise hilfreich sein. Wer neu ist, braucht nicht sofort maximale Freiheit, sondern zunächst Orientierung: Was ist zu tun? Welche Standards gelten? Wo liegen Grenzen? Wann muss Rücksprache gehalten werden? Dauerhaft eingesetzt, schwächt dieser Stil jedoch Eigeninitiative und Motivation. Direktive Führung sollte deshalb transparent und begrenzt eingesetzt werden. Danach braucht es wieder Raum für Auswertung und Beteiligung.

Beim beispielhaften Führungsstil geht die Führungskraft mit gutem Beispiel voran. Sie lebt die Erwartungen selbst vor, setzt Standards und zeigt durch ihr Verhalten, welche Haltung und Arbeitsweise gewünscht sind. In NGOs ist dieser Stil besonders wirksam, weil Glaubwürdigkeit eine große Rolle spielt. Gemeinnützige Organisationen vertreten häufig Werte wie Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, Teilhabe, Demokratie oder Transparenz. Diese Werte müssen auch intern erlebbar sein. Wenn eine Organisation nach außen Beteiligung fordert, intern aber intransparent entscheidet, entsteht ein Widerspruch. Wenn Nachhaltigkeit kommuniziert wird, intern aber rücksichtslos mit Menschen oder Ressourcen umgegangen wird, verliert die Organisation an Glaubwürdigkeit.

Beispielhafte Führung bedeutet deshalb: Werte werden nicht nur formuliert, sondern im Alltag sichtbar. Führungskräfte zeigen, wie sie mit Fehlern umgehen, wie sie Feedback annehmen, wie sie Entscheidungen transparent machen, wie sie Grenzen respektieren und wie sie Verantwortung übernehmen. Der Stil kann aber auch problematisch werden. Wenn Führungskräfte vorleben, immer erreichbar zu sein, ständig mehr zu leisten, Pausen zu ignorieren oder Probleme allein zu lösen, setzen sie ungesunde Standards. Entscheidend ist also, was vorgelebt wird: nicht nur Einsatzbereitschaft, sondern auch Priorisierung, Delegation, Fehleroffenheit und Selbstfürsorge.

Die Auseinandersetzung mit Führungsstilen zeigt: Führung in NGOs besteht nicht darin, einen Stil auszuwählen und dauerhaft beizubehalten. Je nach Situation sind unterschiedliche Führungsimpulse gefragt (siehe Tabelle 1: Führung nach Situation wählen):

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Tabelle 1: Führung nach Situation wählen

Den eigenen Führungsstil reflektieren

Die Auseinandersetzung mit Führungsstilen zeigt: Führung in NGOs besteht nicht darin, einen Stil auszuwählen und dauerhaft beizubehalten. Je nach Situation sind unterschiedliche Führungsimpulse gefragt. Ehrenamtliche zu gewinnen erfordert oft demokratische und gefühlsorientierte Führung. Neue Projekte profitieren von visionärer und kooperativer Führung. Die Entwicklung von Mitarbeitenden braucht coachende Führung. Konflikte verlangen Empathie, aber auch Klarheit. Krisen brauchen direktive Entscheidungen. Erfahrene Teams brauchen Freiraum. Veränderungsprozesse brauchen Orientierung.

Gleichzeitig haben viele Führungskräfte einen Stil, zu dem sie intuitiv greifen. Manche führen stark über Struktur, andere über Beziehung, andere über Vision oder Fachlichkeit. Das ist nicht falsch. Problematisch wird es erst, wenn der eigene bevorzugte Stil unabhängig von Situation und Team immer wieder gleich eingesetzt wird. Wer sehr kooperativ führt, kann Entscheidungen zu lange offenhalten. Wer stark visionär führt, übersieht vielleicht operative Belastungen. Wer gerne delegiert, merkt möglicherweise zu spät, dass das Team mehr Orientierung braucht. Und wer sehr direktiv führt, nimmt anderen unbeabsichtigt Verantwortung.

Deshalb gehört Selbstreflexion zu guter Führung. Hilfreich sind Fragen wie: Wie entscheide ich unter Druck? Wie reagiere ich auf Unsicherheit? Wann beteilige ich andere wirklich und wann frage ich nur pro forma? Wo vermeide ich Konflikte? Wo greife ich zu schnell ein? Und wo lasse ich Menschen vielleicht zu lange allein?

Eine Möglichkeit, den eigenen Führungsstil besser zu verstehen, ist 360°-Feedback. Dabei bekommt eine Führungskraft Rückmeldungen aus verschiedenen Perspektiven: von Mitarbeitenden, Kolleg*innen, Vorgesetzten und gegebenenfalls auch von Projektpartner*innen oder anderen Beteiligten. Zusätzlich gehört eine Selbsteinschätzung dazu. Interessant ist dabei nicht nur, ob die Rückmeldungen positiv oder kritisch ausfallen, sondern wo Selbstbild und Fremdbild auseinandergehen. Gerade in NGOs, in denen viel über Vertrauen, informelle Zusammenarbeit und persönliche Motivation läuft, kann dieser Perspektivwechsel sehr aufschlussreich sein.

Im Vortrag wurde auch die Persönlichkeits- und Typenlehre angesprochen. Solche Modelle sollten nicht dazu dienen, Menschen in feste Schubladen zu stecken. Sie können aber helfen, Unterschiede in Wahrnehmung, Kommunikation und Entscheidungsverhalten besser zu verstehen.

Die im Vortrag aufgegriffene Typenlehre nach Carl Gustav Jung arbeitet mit Gegensatzpaaren. Menschen unterscheiden sich zum Beispiel darin, ob sie Energie eher aus Austausch oder aus Rückzug gewinnen, ob sie stärker auf konkrete Fakten oder auf Möglichkeiten und Zusammenhänge achten, ob sie Entscheidungen eher sachlich-analytisch oder stärker werte- und beziehungsorientiert treffen und ob sie lieber strukturiert planen oder flexibel auf Situationen reagieren.

Tabelle 2: Typenlehre

Für Führung in NGOs ist das deshalb relevant, weil Teams oft sehr unterschiedlich arbeiten. Manche Menschen brauchen klare Pläne, Fristen und Zuständigkeiten, um gut arbeiten zu können. Andere werden durch zu enge Vorgaben eher ausgebremst. Manche wollen Themen im Gespräch entwickeln, andere brauchen erst Zeit zum Nachdenken. Manche argumentieren stark über Zahlen, Ziele und Machbarkeit, andere über Werte, Wirkung und Beziehung.

Diese Unterschiede beeinflussen auch, welcher Führungsstil Menschen leichter fällt. Wer extrovertiert, visionär und intuitiv ist, neigt möglicherweise eher zu visionärer Führung. Wer empathisch und menschenorientiert ist, fühlt sich vielleicht im gefühlsorientierten oder coachenden Stil wohler. Wer strukturiert und leistungsorientiert arbeitet, greift eher zu beispielhafter oder direktiver Führung. Wer offen und teamorientiert ist, findet sich oft in demokratischer oder kooperativer Führung wieder. Und wer flexibel, spontan und autonom arbeitet, tut sich mit delegierender Führung häufig leichter.

Tabelle 3: Typenlehre vs. Führungsstil

Wichtig ist dabei: Aus Persönlichkeit folgt keine feste Führungsrolle. Niemand ist „nur“ ein bestimmter Typ und niemand muss so führen, wie es dem eigenen Temperament am nächsten liegt. Die Reflexion hilft vielmehr, eigene Muster zu erkennen. Eine Führungskraft, die sehr strukturiert ist, kann sich bewusst fragen, wo sie mehr Freiraum geben sollte. Eine sehr beziehungsorientierte Führungskraft kann prüfen, wo mehr Klarheit nötig wäre. Eine sehr visionäre Führungskraft kann darauf achten, operative Details nicht zu übergehen.

Gerade in NGOs kann diese Perspektive entlasten. Konflikte entstehen nicht immer aus bösem Willen oder fehlender Motivation. Manchmal treffen einfach unterschiedliche Arbeitslogiken aufeinander: Die eine Person möchte erst gemeinsam denken, die andere braucht eine klare Entscheidung. Die eine will schnell ausprobieren, die andere möchte Risiken vorher klären. Führung bedeutet dann, diese Unterschiede nicht nur auszuhalten, sondern produktiv zu machen.

Transformational und transaktional: zwei Führungslogiken

Neben den konkreten Führungsstilen wurde im Dialog auch die Unterscheidung zwischen transformationaler und transaktionaler Führung aufgegriffen. Diese Begriffe beschreiben weniger einzelne Führungsstile als vielmehr zwei Führungslogiken. Führungsstile wie demokratisch, coachend, direktiv oder delegierend beschreiben, wie eine Führungskraft in einer konkreten Situation handelt. Transformationale und transaktionale Führung beschreiben stärker, worüber Führung wirkt.

  • Transformationale Führung wirkt über Sinn, Vertrauen, gemeinsame Werte, Inspiration und persönliche Entwicklung. Sie fragt: Wofür arbeiten wir? Welche Veränderung wollen wir ermöglichen? Wie können Menschen Verantwortung übernehmen und sich weiterentwickeln?
  • Transaktionale Führung wirkt stärker über klare Vereinbarungen, Ziele, Zuständigkeiten, Rückmeldung und Verbindlichkeit. Sie fragt: Was ist vereinbart? Wer übernimmt welche Aufgabe? Bis wann? In welcher Qualität? Und woran erkennen wir, dass das Ziel erreicht wurde?

Im gemeinnützigen Bereich ist diese Unterscheidung hilfreich. Viele Organisationen sind stark transformational geprägt. Sie arbeiten aus einer Mission heraus, wollen gesellschaftliche Veränderung ermöglichen und Menschen für ein gemeinsames Anliegen gewinnen. Diese Sinnorientierung ist eine große Stärke. Sie kann Motivation, Bindung und Verantwortungsbereitschaft fördern. Gleichzeitig reicht Sinnorientierung allein nicht aus. Auch NGOs brauchen transaktionale Elemente: klare Rollen, transparente Entscheidungswege, verbindliche Absprachen, Fristen, Zuständigkeiten und Rückmeldungen. Ohne diese Verlässlichkeit entstehen Überforderung, Missverständnisse und Verantwortungslücken.

Die Verbindung beider Logiken ist daher entscheidend. Transformationale Führung gibt Richtung und Sinn. Transaktionale Führung sorgt dafür, dass diese Richtung im Alltag tragfähig umgesetzt wird. Eine Organisation kann zum Beispiel eine starke Vision haben, mehr Menschen für sozial-ökologische Veränderung zu gewinnen. Damit diese Vision wirksam wird, braucht es konkrete Ziele, Verantwortlichkeiten und Arbeitsroutinen: Wer spricht welche Zielgruppen an? Welche Formate werden umgesetzt? Welche Ressourcen stehen zur Verfügung? Woran wird Erfolg gemessen? Und wann wird überprüft, ob der eingeschlagene Weg funktioniert?

Transaktionale Führung sollte deshalb nicht vorschnell als zu hierarchisch abgetan werden. Verbindlichkeit kann entlasten. Sie macht Erwartungen sichtbar und sorgt dafür, dass Verantwortung fair verteilt wird. Entscheidend ist, dass Struktur nicht gegen die Mission arbeitet, sondern ihr dient.

Sozialkompetenz als Grundlage moderner Führung

Neben Führungsstilen, Methoden und Entscheidungsmodellen wurde im Vortrag Sozialkompetenz als grundlegende Voraussetzung guter Führung hervorgehoben. Gemeint sind Fähigkeiten, die einen reflektierten und angemessenen Umgang mit sich selbst und mit anderen Menschen ermöglichen. Die im Vortrag vorgestellte Grafik unterscheidet vier Bereiche von Sozialkompetenz.

Der erste Bereich ist der Umgang mit sich selbst. Dazu gehören Selbstreflexion, Selbstbewusstsein und Selbstdisziplin. Für Führung bedeutet das: Wer andere führen will, muss zunächst das eigene Verhalten wahrnehmen können. Wie reagiere ich unter Druck? Wann werde ich ungeduldig? Wo vermeide ich Konflikte? Wo übernehme ich zu viel selbst? Gerade in NGOs, in denen Arbeitsbelastung und persönliche Identifikation oft hoch sind, ist Selbstreflexion wichtig. Sie hilft, nicht nur aus Stress, Gewohnheit oder persönlichem Harmoniebedürfnis zu handeln.

Der zweite Bereich ist der Umgang mit anderen. Dazu zählen Einfühlungsvermögen, Respekt und Kritikfähigkeit. Führungskräfte müssen unterschiedliche Perspektiven hören können, ohne sofort zu bewerten. Sie müssen Kritik annehmen können, ohne in Rechtfertigung zu gehen. Und sie müssen Rückmeldungen so geben, dass sie klar, aber nicht abwertend sind. Im NGO-Kontext ist das besonders relevant, weil viele Menschen aus Überzeugung arbeiten. Kritik wird dann schnell als Kritik an der Person oder am Engagement verstanden. Ein respektvoller Umgang hilft, Verhalten und Person besser zu trennen.

Der dritte Bereich ist die Zusammenarbeit. Hier geht es um Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit und Lernbereitschaft. Gute Führung schafft Bedingungen, unter denen Menschen gemeinsam arbeiten können: Rollen sind geklärt, Konflikte werden nicht dauerhaft verdrängt, Erfahrungen werden ausgewertet und Zusammenarbeit wird regelmäßig verbessert. In NGOs ist das wichtig, weil Projekte oft unter Zeitdruck laufen und Teams aus Hauptamtlichen, Ehrenamtlichen und externen Partnern bestehen. Zusammenarbeit entsteht nicht automatisch durch gemeinsame Werte. Sie braucht Strukturen, Gespräche und die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen.

Der vierte Bereich ist die Menschenführung. Dazu gehören Verantwortung, Motivationsfähigkeit und Überzeugungskraft. Hier wird Sozialkompetenz unmittelbar zur Führungsfähigkeit. Menschenführung bedeutet, Orientierung zu geben, Verantwortung zu übernehmen, andere zu motivieren und für gemeinsame Ziele zu gewinnen. In NGOs heißt das nicht, Menschen über Druck oder formale Macht zu steuern. Vielmehr geht es darum, Sinn zu vermitteln, Aufgaben passend zu verteilen, Entscheidungsspielräume zu klären und Menschen so zu begleiten, dass sie Verantwortung übernehmen können. Überzeugungskraft ist dabei nicht nur rhetorisches Talent. Sie entsteht auch durch Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und die Fähigkeit, Entscheidungen nachvollziehbar zu machen.

Zusammengenommen zeigen diese vier Bereiche: Sozialkompetenz ist keine weiche Zusatzfähigkeit, sondern ein Kern moderner Führung. Sie entscheidet darüber, ob Beteiligung gelingt, ob Feedback angenommen werden kann, ob Konflikte früh genug bearbeitet werden und ob Menschen Verantwortung übernehmen, ohne sich allein gelassen zu fühlen. In NGOs braucht Führung: Empathie und Klarheit.

Partizipative Führung in NGOs: Beteiligung braucht Klarheit

NGOs und Vereine profitieren häufig von partizipativer Führung. Viele Menschen engagieren sich freiwillig oder aus starker Überzeugung. Sie wollen nicht nur Aufgaben erledigen, sondern mitdenken, mitgestalten und ernst genommen werden. Partizipative Führung bedeutet jedoch nicht, dass immer alle alles entscheiden. Flache Hierarchien bedeuten nicht, dass jede Person im Namen der Organisation sprechen oder jede Entscheidung mittragen muss. Sie bedeuten vielmehr, Verantwortung möglichst dort zu verankern, wo Kompetenz, Erfahrung und Nähe zur Aufgabe liegen.

Dafür braucht es klare Rollen, klare Entscheidungsrechte und klare Kommunikationswege. Wer Verantwortung überträgt, muss auch Entscheidungsspielraum übertragen. Gleichzeitig muss deutlich sein, wann Rücksprache notwendig ist, wer informiert werden muss und wo Grenzen liegen. Hilfreich ist die Unterscheidung verschiedener Beteiligungsstufen (siehe Abbildung 1: Partizipationspyramide):

Partizipationspyramide
Abbildung 1: Partizipationspyramide

Entscheidend ist Transparenz. Wird Beteiligung angeboten, obwohl die Entscheidung längst gefallen ist, entsteht Frust. Wird Mitentscheidung versprochen, aber nur Beratung gemeint, sinkt Vertrauen. Beteiligung braucht deshalb eine ehrliche Klärung: Geht es um Information, Beratung, Mitwirkung oder Entscheidung?

Die Partizipationspyramide in Anlehnung an Straßburger/Rieger hilft dabei, Beteiligung genauer zu unterscheiden. Sie macht sichtbar: Beteiligung ist nicht immer gleich Mitentscheidung. Manchmal geht es nur darum, transparent zu informieren. Manchmal sollen Meinungen eingeholt werden. Manchmal wird Fach- oder Erfahrungswissen gebraucht. Und manchmal wird tatsächlich Entscheidungsmacht geteilt oder übertragen.

Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Vorstufen der Partizipation und Stufen der Partizipation. Die unteren Ebenen der Pyramide – also Informieren, Meinung erfragen und Expertise einholen – sind wichtig, aber noch keine echte Beteiligung im engeren Sinne. Sie schaffen Transparenz, ermöglichen Rückmeldung und bringen Wissen in Entscheidungsprozesse ein. Von echter Partizipation spricht man jedoch erst dort, wo Menschen tatsächlich an Entscheidungen mitwirken oder eigene Entscheidungsspielräume erhalten.

In NGOs ist diese Unterscheidung wichtig. Viele Organisationen arbeiten mit flachen Hierarchien, Ehrenamt, hoher Motivation und einem starken Wunsch nach Mitgestaltung. Gleichzeitig gibt es klare Verantwortlichkeiten: Vorstände müssen bestimmte Entscheidungen treffen, Geschäftsführungen tragen operative Verantwortung, Projektleitungen müssen Budgets und Fristen einhalten. Wenn nicht klar ist, auf welcher Stufe Beteiligung stattfindet, entstehen schnell Missverständnisse.

Die linke Seite der Pyramide beschreibt die Perspektive der Führungskraft oder Organisation. Vor jedem Beteiligungsprozess sollte geklärt werden: Wie tief soll Beteiligung hier gehen?

Wenn der Vorstand zum Beispiel nur über eine bereits getroffene strategische Entscheidung informiert, handelt es sich um Stufe 1: Informieren. Das ist eine Vorstufe der Partizipation. Sie ist nicht falsch, im Gegenteil: Transparente Information ist eine wichtige Grundlage guter Zusammenarbeit. Aber sie ist noch keine Mitwirkung. Wird ein solcher Termin als „Beteiligung“ angekündigt, obwohl gar kein Entscheidungsspielraum mehr besteht, entsteht schnell Frust.

Wenn die Geschäftsstelle ein erstes Stimmungsbild zu einer neuen Veranstaltungsreihe einholen möchte, geht es um Stufe 2: Meinung erfragen. Auch das gehört noch zu den Vorstufen der Partizipation. Das Team kann Rückmeldungen geben, entscheidet aber noch nicht mit. Wichtig ist deshalb, offen zu sagen: Werden die Rückmeldungen nur gehört? Werden sie in die Entscheidung einbezogen? Oder wird später sichtbar gemacht, wie sie berücksichtigt wurden?

Auf Stufe 3: Lebenswelt- oder Fachexpertise einholen wird Wissen einbezogen, das für eine gute Entscheidung wichtig ist. Auch diese Stufe zählt noch zu den Vorstufen. In NGOs kann sie besonders relevant sein, weil Ehrenamtliche, Projektpartner oder Zielgruppen oft Erfahrungen haben, die in Vorstand oder Geschäftsstelle nicht unmittelbar vorhanden sind. Wenn etwa ein Bildungsangebot entwickelt wird, können Lehrkräfte, Ehrenamtliche oder Teilnehmende wichtige Hinweise geben, welche Bedarfe es wirklich gibt. Die Entscheidung liegt dann noch nicht automatisch bei ihnen, ihre Expertise sollte aber erkennbar in die Entscheidung einfließen.

Erst ab Stufe 4: Mitbestimmung zulassen beginnt Partizipation im engeren Sinne. Haupt- oder Ehrenamtliche wirken dann tatsächlich an einer Entscheidung mit. Ein Team kann zum Beispiel gemeinsam über das Thema einer nächsten Veranstaltung entscheiden oder Ehrenamtliche können bei der Auswahl eines Formats mitbestimmen. Wichtig ist, vorher zu klären, wie entschieden wird: per Abstimmung, Konsent, gemeinsamer Einigung oder durch eine verantwortliche Person nach Beratung.

Auf Stufe 5: Entscheidungskompetenz teilweise abgeben wird ein Teil des Entscheidungsspielraums übertragen. Eine Arbeitsgruppe könnte zum Beispiel innerhalb eines festgelegten Budgets selbst entscheiden, wie sie eine Veranstaltung gestaltet. Oder ein Projektteam entscheidet eigenständig über Ablauf, Methoden und Aufgabenverteilung, muss aber bei Budget, Außenkommunikation oder rechtlichen Fragen Rücksprache halten. Diese Stufe funktioniert nur, wenn die Grenzen des Spielraums klar benannt sind.

Auf Stufe 6: Entscheidungsmacht übertragen liegt die Entscheidung tatsächlich bei einer Person, einem Team oder einer Arbeitsgruppe. Ein Ehrenamtsteam kann etwa ein eigenes Projekt vollständig verantworten oder eine Projektleitung erhält innerhalb eines vereinbarten Rahmens die volle Verantwortung für Kooperationen, Formate und Umsetzungsschritte. Dann braucht es aber auch die passenden Ressourcen, Informationen und Rückendeckung. Entscheidungsmacht zu übertragen heißt nicht, Menschen allein zu lassen.

Die rechte Seite der Pyramide zeigt die Perspektive der Haupt- und Ehrenamtlichen. Auch hier wird deutlich: Die unteren Ebenen sind zunächst Vorstufen. Auf Stufe 1 informieren sie sich. Auf Stufe 2 beziehen sie im Vorfeld von Entscheidungen Stellung. Auf Stufe 3 bringen sie vorgesehene Beiträge oder Expertise ein. Erst ab Stufe 4 wirken sie an Entscheidungen mit. Auf Stufe 5 nutzen sie Freiräume der Selbstverantwortung. Auf Stufe 6 üben sie Entscheidungsfreiheit aus. Die höchste Ebene beschreibt schließlich Eigenaktivitäten in einer gestaltenden Funktion: Menschen führen dann nicht nur einzelne Aufgaben aus, sondern prägen Projekte oder Organisationsbereiche aktiv mit.

Der entscheidende Punkt ist der Abgleich beider Seiten. Die Führungskraft muss einschätzen und kommunizieren, wie tief beteiligt werden soll. Gleichzeitig muss sie im Blick behalten, welche Beteiligung die andere Seite erwartet. Umgekehrt müssen Haupt- und Ehrenamtliche verstehen können, welcher Entscheidungsspielraum tatsächlich besteht. Viele Konflikte entstehen genau dort, wo diese Erwartungen auseinandergehen: Die Leitung meint Stufe 2: Meinung erfragen, das Team erwartet aber Stufe 4: Mitbestimmung. Oder eine Führungskraft möchte Verantwortung auf Stufe 5 oder 6 übertragen, hat aber nicht klar beschrieben, was entschieden werden darf und wann Rücksprache nötig ist.

Vor einer Beteiligung helfen deshalb einfache Klärungsfragen:

  • Geht es um Stufe 1: Informieren – also um Transparenz, aber noch nicht um Beteiligung im engeren Sinne?
  • Sollen Meinungen eingeholt werden, also Stufe 2?
  • Wird Praxis- oder Fachexpertise gebraucht, also Stufe 3?
  • Können Beteiligte wirklich mitentscheiden, also Stufe 4?
  • Wird ein Teil der Entscheidungskompetenz übertragen, also Stufe 5?
  • Oder liegt die Entscheidung vollständig bei einer Person, einem Team oder einer Arbeitsgruppe, also Stufe 6?
  • Wo liegen Grenzen, etwa durch Budget, Satzung, Vorstandsbeschlüsse, Förderbedingungen oder Verantwortung gegenüber Dritten?
  • Wann muss Rücksprache gehalten werden?

So verstanden ist Partizipation kein Gegensatz zu Führung. Sie braucht Führung, damit klar ist, wo Information endet, wo Mitsprache beginnt, wo Mitentscheidung möglich ist und wo Verantwortung tatsächlich übertragen wird. Entscheidend ist nicht, immer möglichst tief zu beteiligen. Entscheidend ist, ehrlich zu klären, welche Beteiligung gemeint ist und ob beide Seiten dasselbe darunter verstehen.

In diesem Zusammenhang wurde auch Soziokratie als möglicher Ansatz angesprochen. Soziokratische Modelle arbeiten unter anderem mit Konsent, Kreisstrukturen, doppelter Koppelung und offenen Wahlen. Der Konsent unterscheidet sich vom Konsens. Während Konsens häufig bedeutet, dass alle ausdrücklich zustimmen müssen, fragt Konsent danach, ob es einen schwerwiegenden und begründeten Einwand gegen einen Vorschlag gibt. Das kann Entscheidungen erleichtern, weil nicht vollständige Begeisterung notwendig ist, sondern eine tragfähige Lösung. Für NGOs können solche Elemente hilfreich sein, wenn Beteiligung gewünscht ist, Entscheidungen aber trotzdem arbeitsfähig bleiben sollen. Gleichzeitig braucht auch Soziokratie Übung, klare Rollen und eine Kultur, in der Einwände sachlich eingebracht werden können. Ein Beispiel aus der Praxis zeigt die SOLAWI Bodensee.

Rollen, Verantwortung und Zusammenarbeit klären

Ein besonders praxisnaher Teil der Veranstaltung beschäftigte sich mit Rollenklarheit. Viele Schwierigkeiten in NGOs entstehen nicht durch mangelndes Engagement, sondern durch unklare Zuständigkeiten. Der Vorstand mischt sich operativ ein, Mitarbeitende erhalten widersprüchliche Signale, Ehrenamtliche wissen nicht genau, was sie entscheiden dürfen, und am Ende fühlen sich alle irgendwie verantwortlich, aber niemand wirklich zuständig.

Eine hilfreiche Unterscheidung lautet: Wer arbeitet am System und wer arbeitet im System? Vorstände sollten vor allem am System arbeiten. Sie geben strategische Richtung, beschließen Haushalte, verantworten große Kooperationen, kontrollieren die Geschäftsführung und achten auf die langfristige Entwicklung der Organisation. Die Geschäftsstelle oder Geschäftsführung verantwortet das Tagesgeschäft, operative Prioritäten, Teamsteuerung, Kommunikation und Arbeitsorganisation. Teams entscheiden über fachliche Umsetzung, Methoden und operative Details innerhalb ihres Verantwortungsbereichs.

Vorstand entscheidet:

  • Strategie
  • Haushalt
  • Personal der Geschäftsführung
  • politische Positionierung
  • große Kooperationen

Geschäftsführung entscheidet:

  • Tagesgeschäft
  • Projektprioritäten
  • Teamsteuerung
  • operative Kommunikation
  • Arbeitsorganisation

Teams entscheiden:

  • fachliche Umsetzung
  • operative Details
  • Methoden
  • Projektarbeit

In kleinen Organisationen sind diese Grenzen nicht immer eindeutig. Menschen übernehmen oft mehrere Rollen gleichzeitig. Umso wichtiger ist es, die Rolle bewusst zu wechseln: Spreche ich gerade als Vorstandsmitglied, als ehrenamtlich aktive Person, als Projektleitung oder als fachliche Unterstützerin? Viele Konflikte werden leichter lösbar, wenn nicht nur Personen, sondern Rollen geklärt werden. Oft ist nicht „die Person“ das Problem, sondern eine Vermischung von Erwartungen, Zuständigkeiten und Entscheidungskompetenzen.

Als praktisches Werkzeug wurde unter anderem die RACI-Logik (siehe Abbildung 2: RACI-Logik) vorgestellt. Sie unterscheidet zwischen Personen, die für die Umsetzung verantwortlich sind, Personen, die letztverantwortlich entscheiden, Personen, die einbezogen werden müssen, und Personen, die informiert werden. Für kleine NGOs muss daraus kein kompliziertes Modell werden. Oft reicht eine vereinfachte Variante: Wer entscheidet? Wer setzt um? Wer muss vorher einbezogen werden? Wer muss anschließend informiert werden?

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Abbildung 2: RACI-Logik

Der Nutzen liegt nicht in der perfekten Tabelle, sondern im gemeinsamen Gespräch über Verantwortung. Gerade in flachen Hierarchien wird häufig angenommen, dass alle ungefähr wissen, wer wofür zuständig ist. In der Praxis ist das selten der Fall. Eine einfache Rollenklärung macht unsichtbare Erwartungen sichtbar und verhindert, dass Verantwortung zwischen Personen hin- und herwandert. Wichtig ist außerdem: Verantwortung ohne Entscheidungsspielraum ist keine echte Verantwortung. Wer eine Aufgabe übernimmt, muss wissen, was er oder sie selbst entscheiden darf. Gleichzeitig braucht es Eskalationsgrenzen: Wann muss Rücksprache gehalten werden? Bei welchem Budget? Bei welcher Außenwirkung? Bei welchen Risiken? So entsteht Freiheit im Rahmen.

Ehrenamt, Motivation und Schutz: Freiheit im Rahmen

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Führung von Ehrenamtlichen. Ehrenamtliche werden anders geführt als Angestellte, nicht, weil sie weniger verbindlich wären, sondern weil ihre Motivation anders funktioniert. Hauptamtliche Arbeit ist über Rolle, Vertrag, Arbeitszeit und Zuständigkeit geregelt. Ehrenamtliches Engagement lebt stärker von Sinn, Zugehörigkeit, Wertschätzung und der Erfahrung, mit dem eigenen Beitrag wirklich etwas zu bewirken.

Ehrenamtliche brauchen deshalb keine enge Kontrolle, aber sehr wohl Klarheit. Sie müssen wissen, warum ihre Aufgabe wichtig ist, was genau zu tun ist, was nicht zu ihrem Aufgabenbereich gehört, wer bei Fragen ansprechbar ist und woran sichtbar wird, dass ihr Einsatz etwas bewirkt hat. Gerade jüngere Menschen lassen sich oft leichter für konkrete, zeitlich begrenzte Verantwortung gewinnen als für klassische Ämter. Statt sofort zu fragen: „Willst du in den Vorstand?“, kann es hilfreicher sein zu fragen: „Willst du für drei Monate ein konkretes Projekt verantworten?“ So entsteht Verantwortung in machbaren Schritten.

Für die Praxis heißt das: Ehrenamtsrollen sollten kleiner, klarer und attraktiver beschrieben werden. Eine gute Rollenbeschreibung enthält:

  • Aufgabe
  • Zeitraum
  • erwarteter Aufwand
  • Entscheidungsspielraum
  • Ansprechperson
  • sichtbare Wirkung

Damit entsteht Verbindlichkeit, ohne Engagement zu überfordern. Ehrenamtsführung bedeutet außerdem Schutz. Wer Menschen Verantwortung überträgt, muss auch dafür sorgen, dass sie nicht überlastet, allein gelassen oder in unklare Konflikte hineingezogen werden. Dazu gehören Begleitung, Feedback, klare Meldewege und eine Kultur, in der Überforderung früh angesprochen werden darf.

Führung im Alltag: Gespräche, Feedback und Konflikte

Eine wichtige Grundlage guter Führung ist psychologische Sicherheit. Gemeint ist eine Teamkultur, in der Menschen Fragen stellen, Unsicherheiten äußern, Fehler ansprechen und Kritik formulieren können, ohne Angst vor Beschämung oder negativen Folgen haben zu müssen. In werteorientierten Organisationen fällt Kritik manchmal schwer, weil alle „auf derselben Seite“ stehen wollen. Gleichzeitig können Konflikte besonders persönlich werden, weil Menschen sich stark mit der Mission identifizieren. Wenn Kritik dann nicht sachlich bearbeitet wird, entstehen verdeckte Spannungen, Rückzug oder informelle Lager.

Feedback ist eine regelmäßige Form der gemeinsamen Reflexion. Gerade in NGOs ist das wichtig, weil viele Menschen mit hoher Motivation arbeiten und Kritik schnell persönlich genommen werden kann. Wenn Rückmeldungen nur dann kommen, wenn etwas schiefläuft, entsteht leicht Abwehr. Wird Feedback dagegen normaler Bestandteil der Zusammenarbeit, lassen sich Missverständnisse früher klären, gute Arbeit sichtbarer machen und Erwartungen besser abstimmen.

Hilfreich ist dabei eine konkrete und respektvolle Sprache. Pauschale Aussagen wie „Das war nicht gut“ oder „Du bist unzuverlässig“ führen selten weiter. Besser ist es, eine beobachtbare Situation zu benennen, ihre Wirkung auf die Zusammenarbeit zu beschreiben und daraus eine klare Erwartung abzuleiten. Auf den Folien wurde dafür eine einfache Struktur vorgestellt: Beobachtung, Wirkung, Erwartung sowie Unterstützung oder Konsequenz. Ein Beispiel: „Mir ist aufgefallen, dass die Protokolle mehrfach später kamen als vereinbart. Dadurch konnten andere aus dem Team nicht weiterarbeiten. Ich brauche, dass die Protokolle künftig spätestens zwei Tage nach dem Termin vorliegen. Was brauchst du, damit das klappt? Wenn es zeitlich nicht möglich ist, müssen wir die Aufgabe umverteilen.“

Neben klassischem Feedback können auch Peer-Feedback, Feedforward oder 360°-Feedback hilfreich sein. Peer-Feedback öffnet die Rückmeldung für Kolleginnen oder Teammitglieder untereinander. Feedforward richtet den Blick stärker nach vorn: Was würde künftig helfen? Was brauchen wir beim nächsten Mal anders? 360°-Feedback bezieht verschiedene Perspektiven ein, etwa Mitarbeitende, Kolleginnen, Vorgesetzte oder Projektpartner*innen. Für den NGO-Alltag müssen diese Formate nicht groß angelegt sein. Oft reichen einfache Fragen:

  • Was hat in der Zusammenarbeit geholfen?
  • Wo war etwas unklar?
  • Was hat ausgebremst?
  • Was brauchen wir beim nächsten Mal anders?

Regelmäßige 1:1-Gespräche sind eines der einfachsten Führungsinstrumente, gerade in kleinen Teams, bei hybrider Arbeit oder bei hoher Eigenverantwortung. Sie sind kein Kontrolltermin und auch kein Jahresgespräch im Kleinen. Sie schaffen einen geschützten Raum, um Themen anzusprechen, bevor sie zu groß werden: aktuelle Aufgaben, Prioritäten, Belastung, Zusammenarbeit, offene Fragen und persönliche Entwicklung.

Für NGOs sind solche Gespräche besonders hilfreich, weil vieles informell läuft. Man sieht sich vielleicht häufig in Projekten, auf Veranstaltungen oder in Abstimmungen, spricht aber selten in Ruhe über Arbeitsbelastung, Rollen, Erwartungen oder Entwicklung. Gerade wenn Menschen stark intrinsisch motiviert sind, sagen sie oft zu spät, dass etwas zu viel wird. Ein regelmäßiges 1:1 kann helfen, Überlastung früher zu erkennen und Verantwortung besser zu verteilen.

Ein 1:1-Gespräch muss nicht lang sein. Oft reichen 20 bis 30 Minuten in einem festen Rhythmus, zum Beispiel alle zwei bis vier Wochen. Wichtig ist, dass nicht nur die Führungskraft Themen mitbringt. Auch Mitarbeitende oder Engagierte sollten Raum haben, eigene Punkte anzusprechen. Hilfreiche Leitfragen können sein:

  • Was beschäftigt dich gerade am meisten?
  • Wo kommst du gut voran?
  • Wo hakt es?
  • Gibt es etwas, das unklar ist?
  • Welche Entscheidung brauchst du von mir?
  • Gibt es etwas, das dich gerade belastet?
  • Was brauchst du, um gut weiterarbeiten zu können?
  • Gibt es etwas in unserer Zusammenarbeit, das wir anders machen sollten?

Bei Ehrenamtlichen können 1:1-Gespräche kürzer und seltener sein, aber auch hier sind sie wertvoll. Dann stehen eher Aufgabe, Motivation und Unterstützung im Mittelpunkt:

  • Passt die Aufgabe noch?
  • Ist der Aufwand realistisch?
  • Fühlst du dich gut eingebunden?
  • Gibt es etwas, das dich daran hindert, weiterzumachen?
  • Hast du das Gefühl, dass dein Beitrag gesehen wird?

Solche Gespräche stärken nicht nur die Zusammenarbeit, sondern auch Bindung und Wertschätzung.

Auch die Gewaltfreie Kommunikation bietet für Führungs- und Feedbacksituationen hilfreiche Orientierung. Sie geht auf Marshall Rosenberg zurück und arbeitet mit vier Schritten: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte. Der Ansatz hilft dabei, Kritik nicht als persönlichen Angriff zu formulieren, sondern eine konkrete Situation besprechbar zu machen.

  • Der erste Schritt ist die Beobachtung. Dabei wird möglichst genau beschrieben, was wahrgenommen wurde, ohne die Person zu bewerten. Hilfreiche Einstiege sind: „Ich sehe, dass …“, „Mir ist aufgefallen, dass …“ oder „Ich nehme wahr, dass …“. Statt „Du bist unzuverlässig“ könnte es also heißen: „Mir ist aufgefallen, dass das Protokoll der letzten drei Treffen später als vereinbart verschickt wurde.“
  • Im zweiten Schritt geht es um das Gefühl, also darum, was die Situation bei einem selbst auslöst. Auch hier helfen einfache Satzanfänge: „Ich fühle mich damit …“ oder „Die Situation löst in mir aus, dass …“. In einer Führungssituation könnte das lauten: „Ich fühle mich damit unter Druck, weil andere aus dem Team auf die Informationen warten“ oder „Die Situation löst in mir Unsicherheit aus, weil ich nicht weiß, ob die Aufgabe rechtzeitig abgeschlossen wird.“
  • Der dritte Schritt benennt das dahinterliegende Bedürfnis. Hier geht es darum, was für die Zusammenarbeit gebraucht wird: Verlässlichkeit, Planbarkeit, Klarheit, Fairness, Entlastung oder Rücksicht. Mögliche Formulierungen sind: „Ich möchte gerne …“, „Mir ist wichtig, dass …“, „Ich brauche …“ oder „Mir fehlt …“. Zum Beispiel: „Mir ist wichtig, dass Absprachen für alle verlässlich sind“ oder „Ich brauche mehr Klarheit darüber, wer die Aufgabe übernimmt.“
  • Erst danach folgt die Bitte. Sie sollte konkret, machbar und überprüfbar sein. Dafür eignen sich Satzanfänge wie: „Ich wünsche mir …“, „Könntest du bitte …“ oder „Was hältst du davon, wenn …“. Eine Bitte wäre zum Beispiel: „Könntest du die Protokolle künftig spätestens zwei Tage nach dem Termin verschicken?“ Oder: „Was hältst du davon, wenn du mir künftig kurz Bescheid gibst, sobald absehbar ist, dass du eine Aufgabe nicht rechtzeitig schaffst?“

Aus einer schwierigen Rückmeldung kann dadurch ein klärendes Gespräch werden: „Mir ist aufgefallen, dass die Protokolle der letzten drei Treffen später als vereinbart verschickt wurden. Ich fühle mich damit unter Druck, weil andere aus dem Team auf die Informationen warten. Mir ist wichtig, dass Absprachen für alle verlässlich sind. Könntest du die Protokolle künftig spätestens zwei Tage nach dem Termin verschicken oder mir vorher Bescheid geben, wenn es nicht klappt?“

In NGOs ist diese Sprache hilfreich, weil Zusammenarbeit häufig stark von Vertrauen, persönlicher Motivation und gemeinsamen Werten geprägt ist. Kritik wird dann manchmal vermieden, weil niemand dem Engagement anderer schaden möchte. Gleichzeitig können unausgesprochene Erwartungen schnell zu Frust führen. Gewaltfreie Kommunikation kann helfen, solche Situationen früher anzusprechen: klar, respektvoll und bezogen auf konkretes Verhalten. Das bedeutet nicht, Konflikte weichzuspülen oder Verbindlichkeit aufzugeben. Führung darf und muss klar bleiben. Der Unterschied liegt darin, dass nicht die Person abgewertet wird, sondern Verhalten, Wirkung und Erwartung besprechbar werden.

Werkzeuge für handlungsfähige Teams

Der Dialog war bewusst handlungsorientiert. Vorgestellt und diskutiert wurden Methoden, die auch mit begrenzten Ressourcen in NGOs eingesetzt werden können.

Die Retrospektive stammt aus Scrum und anderen agilen Arbeitsweisen. In Scrum findet sie regelmäßig am Ende eines Sprints statt, also nach einer klar begrenzten Arbeitsphase. Das Team schaut gemeinsam zurück: Wie lief die Zusammenarbeit? Was hat geholfen? Was hat gestört? Was wollen wir im nächsten Sprint konkret verbessern?

Für NGOs lässt sich dieses Prinzip sehr gut übertragen, auch wenn nicht nach Scrum gearbeitet wird. Statt eines Sprints kann die Retrospektive nach einer Veranstaltung, einer Kampagne, einem Förderantrag, einem Projektabschnitt oder in regelmäßigen Abständen stattfinden. Entscheidend ist der Gedanke: Lernen wird nicht auf das Projektende verschoben, sondern fest in die Arbeit eingebaut.

Eine klassische Retrospektive folgt häufig fünf Schritten. Unterstützende Methoden können auf retromat.org gefunden werden.

Schritt 1: Ankommen und Rahmen setzen
Zu Beginn wird geklärt, worum es geht, wie viel Zeit zur Verfügung steht und mit welcher Haltung gearbeitet wird. Wichtig ist: Die Retrospektive ist keine Fehlersuche, sondern ein Lernraum. Es geht darum, Zusammenarbeit und Abläufe zu verbessern.

Schritt 2: Daten und Eindrücke sammeln
Das Team sammelt, was in der zurückliegenden Arbeitsphase passiert ist. Was lief gut? Was lief nicht gut? Welche Situationen waren auffällig? Was hat Energie gegeben, was hat gebremst? Dabei sollten möglichst konkrete Beobachtungen gesammelt werden, nicht nur allgemeine Stimmungen.

Schritt 3: Erkenntnisse gewinnen
Im nächsten Schritt schaut das Team auf Muster und Ursachen. Warum lief etwas gut? Warum kam es zu Verzögerungen? Wo waren Rollen unklar? Wo fehlten Informationen? Hier geht es darum, nicht bei Symptomen stehenzubleiben, sondern besser zu verstehen, was hinter bestimmten Problemen oder Erfolgen steckt.

Schritt 4: Maßnahmen ableiten
Danach werden konkrete Verbesserungen festgelegt. Wichtig ist, nicht zu viel auf einmal vorzunehmen. Besser sind wenige, klare Maßnahmen, die wirklich umgesetzt werden können. Zum Beispiel: „Beim nächsten Veranstaltungsversand legen wir früher fest, wer final freigibt“ oder „Nach jedem Förderantrag halten wir direkt eine halbe Stunde für die Auswertung frei.“

Schritt 5: Abschluss und Verbindlichkeit herstellen
Am Ende wird festgehalten, was entschieden wurde: Wer macht was bis wann? Außerdem kann kurz reflektiert werden, wie hilfreich die Retrospektive selbst war. So wird aus dem Gespräch kein loses Sammeln von Eindrücken, sondern ein verbindlicher Lernprozess.

Viele Teams arbeiten unter Zeitdruck und Erfahrungen gehen schnell verloren. Nach einer Veranstaltung wird direkt die nächste vorbereitet, nach einem Förderantrag beginnt das nächste Projekt. Eine kurze Retrospektive (60 bis 90 Minuten) schafft einen Moment, in dem das Team innehält und aus der eigenen Arbeit lernt. 

So wird die Retrospektive zu einem einfachen Führungs- und Lerninstrument: Sie macht Erfahrungen nutzbar, bevor sie im Alltag wieder untergehen.

Kanban-Boards machen Arbeit sichtbar. Aufgaben werden auf einem Board in Spalten sortiert, zum Beispiel „Zu erledigen“, „In Arbeit“ und „Erledigt“. Ursprünglich stammt Kanban aus der Produktionssteuerung und wurde später in agilen Arbeitskontexten weiterentwickelt. Der Grundgedanke ist einfach: Arbeit soll nicht unsichtbar in E-Mails, Zurufen oder einzelnen Köpfen liegen, sondern für alle Beteiligten nachvollziehbar werden.

Für NGOs ist das besonders hilfreich, weil oft viele Aufgaben gleichzeitig laufen: Veranstaltungen, Förderanträge, Öffentlichkeitsarbeit, Gremienarbeit, Ehrenamtskoordination, Projektberichte oder Abstimmungen mit Partnern. Gerade kleine Teams arbeiten häufig parallel an mehreren Projekten. Ein Kanban-Board hilft dann, den Überblick zu behalten und schneller zu sehen, wo Aufgaben stecken bleiben.

Ein einfaches Kanban-Board kann mit wenigen Spalten auskommen:

  • Aufgabe / Idee
    Hier werden Aufgaben gesammelt, die anstehen oder geprüft werden sollen.
  • Zu erledigen
    Aufgaben, die beschlossen sind und als Nächstes bearbeitet werden sollen.
  • In Arbeit
    Aufgaben, an denen gerade tatsächlich gearbeitet wird.
  • Wartet auf Rückmeldung
    Aufgaben, die blockiert sind, weil eine Antwort, Freigabe oder Information fehlt.
  • Erledigt
    Aufgaben, die abgeschlossen sind.

Wichtig ist, dass pro Aufgabe klar ist, wer verantwortlich ist. Sonst entsteht zwar Transparenz, aber keine Verbindlichkeit. Ein guter Aufgabeneintrag beantwortet deshalb möglichst kurz: Was ist zu tun? Wer übernimmt es? Bis wann? Gibt es offene Fragen oder Abhängigkeiten?

Ein Kanban-Board kann digital geführt werden, etwa mit Trello, Asana, Notion, Jira oder anderen Projektmanagement-Tools. Für kleine Teams reicht manchmal auch ein physisches Board mit Karten oder Haftnotizen. Entscheidend ist nicht das Tool, sondern die gemeinsame Nutzung. Wenn das Board nicht gepflegt wird, verliert es schnell seinen Wert.

Für Führung in NGOs ist Kanban besonders nützlich, weil es Gespräche versachlicht. Statt allgemein zu fragen „Wie läuft es gerade?“ kann das Team auf konkrete Aufgaben schauen: Was ist blockiert? Wo ist zu viel gleichzeitig in Arbeit? Welche Aufgabe braucht eine Entscheidung? Wo fehlt Unterstützung? So wird Führung weniger Kontrolle und mehr gemeinsame Steuerung.

Check-ins sind kurze Einstiege in Meetings, Workshops oder Teamrunden. Sie helfen, die aktuelle Stimmung, Belastung oder Aufmerksamkeit im Raum sichtbar zu machen. Das klingt zunächst klein, kann aber viel verändern: Menschen kommen nicht als neutrale Arbeitsmaschinen in ein Meeting. Sie bringen Stress, Vorfreude, Unsicherheit, Müdigkeit oder offene Konflikte mit. Ein Check-in schafft einen Moment, in dem das kurz gesehen werden kann.

Gerade in NGOs sind Check-ins hilfreich, weil viele Menschen mit hoher emotionaler Beteiligung arbeiten. Wer sich für Klima, Umwelt, Demokratie, soziale Gerechtigkeit oder Bildung engagiert, bringt oft viel persönliche Motivation mit. Gleichzeitig können Belastung, Frust oder Überforderung schneller entstehen, wenn Ressourcen knapp sind und der Anspruch hoch ist.

Ein Check-in muss nicht lange dauern. Je nach Gruppengröße reicht eine kurze Frage, die alle nacheinander beantworten. Beispiele sind:

  • Wie voll ist dein Akku gerade?
  • Mit welchem Wetter kommst du heute ins Meeting?
  • Was beschäftigt dich gerade?
  • Was brauchst du, um heute gut arbeiten zu können?
  • Was ist gerade deine wichtigste Priorität?
  • Gibt es etwas, das du kurz loswerden musst, bevor wir einsteigen?

Für größere Gruppen kann auch eine schnelle Skala helfen: „Von 1 bis 10 – wie arbeitsfähig bist du gerade?“ Oder eine Ampelabfrage: Grün bedeutet „Ich bin gut dabei“, Gelb „Ich bin etwas belastet“, Rot „Ich bin gerade kaum aufnahmefähig“.

Check-ins ersetzen keine Konfliktgespräche und keine ausführliche Reflexion. Sie helfen aber, Meetings bewusster zu beginnen. Wenn mehrere Personen mit sehr geringer Energie starten, kann das Einfluss auf die Agenda haben. Wenn ein Konflikt im Raum liegt, kann die Leitung entscheiden, ihn nicht zu übergehen. Und wenn jemand sichtbar belastet ist, kann Unterstützung angeboten werden, bevor es zu spät ist.

Damit Check-ins gut funktionieren, sollten sie freiwillig und knapp bleiben. Niemand muss mehr sagen, als er oder sie möchte. Die Moderation sollte außerdem darauf achten, dass aus dem Check-in nicht ungeplant ein langes Gespräch wird. Wenn ein größeres Thema auftaucht, kann es aufgenommen und später gesondert besprochen werden.

Viele Schwierigkeiten in NGOs entstehen nicht bei der Umsetzung, sondern vor der Entscheidung. Es ist unklar, wer entscheiden darf, wer beteiligt werden muss und wann eine Entscheidung verbindlich ist. Dadurch entstehen lange Abstimmungsschleifen, informelle Vorentscheidungen oder Frust, weil Beteiligung anders verstanden wurde als gemeint.

Deshalb hilft es, vor Entscheidungen zunächst die Entscheidungsart zu klären. Nicht jede Entscheidung braucht dasselbe Verfahren. Manche Entscheidungen können von einer verantwortlichen Person getroffen werden. Andere brauchen Beratung, Abstimmung oder einen Konsent. Wieder andere gehören auf die Ebene von Vorstand, Geschäftsführung, Projektleitung oder Team.

Hilfreiche Entscheidungsformen sind:

  • Einzelentscheidung
    Eine Person entscheidet innerhalb eines klaren Rahmens. Das ist sinnvoll, wenn Zuständigkeit, Budget und Risiko überschaubar sind.
  • Beratung vor Entscheidung
    Eine Person entscheidet, holt vorher aber relevante Perspektiven ein. Das passt gut, wenn Fachwissen oder Betroffenheit berücksichtigt werden soll, die Verantwortung aber klar bei einer Rolle liegt.
  • Mehrheitsentscheidung
    Die Gruppe entscheidet per Abstimmung. Das kann bei klar abgegrenzten Optionen hilfreich sein, zum Beispiel bei Terminen, Varianten oder Priorisierungen.
  • Konsens
    Alle stimmen einer Entscheidung zu. Das schafft hohe Zustimmung, kann aber lange dauern und ist nicht für jede Entscheidung geeignet.
  • Konsent
    Eine Entscheidung gilt, wenn es keinen schwerwiegenden und begründeten Einwand gibt. Das Verfahren fragt also nicht: „Sind alle begeistert?“, sondern: „Gibt es einen Einwand, der zeigt, dass dieser Vorschlag der Organisation schaden würde oder nicht tragfähig ist?“
  • Delegierte Entscheidung
    Eine Gruppe oder Leitung überträgt die Entscheidung bewusst an eine Person oder ein Team. Wichtig ist, vorher Rahmen, Budget, Ziel und Rückmeldepflichten zu klären. Eine gute Wahl ist hier der Einsatz des Delegation Poker. Es ist ein Kartenspiel, mit dem Sie Verantwortlichkeiten und Entscheidungsbefugnisse klären können.

Für NGOs ist vor allem Transparenz entscheidend. Beteiligte sollten wissen, ob sie informiert, angehört, beratend einbezogen oder tatsächlich an der Entscheidung beteiligt werden. Viele Konflikte entstehen, weil diese Ebenen vermischt werden. Wer um Meinung gebeten wird, erwartet manchmal Mitentscheidung. Wer entscheiden soll, hat manchmal gar nicht den notwendigen Spielraum.

Eine einfache Klärung vor jeder größeren Entscheidung kann deshalb viel helfen:

  • Worum geht es genau?
  • Wer ist von der Entscheidung betroffen?
  • Wer hat fachliche Expertise?
  • Wer muss einbezogen werden?
  • Wer entscheidet am Ende?
  • Bis wann muss entschieden werden?
  • Wie wird die Entscheidung dokumentiert und kommuniziert?

So werden Entscheidungen nicht automatisch länger, sondern häufig kürzer. Denn je klarer das Verfahren ist, desto weniger Energie geht in verdeckte Abstimmungen und Missverständnisse.

OKR steht für „Objectives and Key Results“. Die Methode hilft Teams, Ziele und messbare Ergebnisse miteinander zu verbinden. Ein Objective beschreibt die Richtung: Was wollen wir erreichen? Key Results beschreiben, woran wir erkennen, dass wir vorangekommen sind.

Für NGOs ist das besonders hilfreich, weil oft viele sinnvolle Themen gleichzeitig im Raum stehen. Es gibt neue Projektideen, Fördermöglichkeiten, Veranstaltungen, Kommunikationsaufgaben, Gremientermine und Erwartungen von außen. Schnell entsteht das Gefühl, alles sei wichtig. OKR hilft, Prioritäten sichtbar zu machen und die Frage zu stellen: Worauf konzentrieren wir uns jetzt wirklich?

Ein OKR besteht aus zwei Teilen:

  • Objective
    Das qualitative Ziel. Es beschreibt eine Richtung, die motiviert und Orientierung gibt. Es sollte verständlich, relevant und ambitioniert sein.
  • Key Results
    Die messbaren Ergebnisse. Sie machen sichtbar, woran Fortschritt erkannt wird. Key Results sollten möglichst konkret sein.

Ein einfaches Beispiel aus einer NGO könnte sein:

Objective: Mehr Menschen für unsere Organisation begeistern.

Key Results:

  • 100 neue Newsletter-Abos gewinnen
  • 20 neue Ehrenamtliche ansprechen
  • 3 Veranstaltungen mit jeweils mindestens 50 Teilnehmenden durchführen

Der Nutzen liegt nicht darin, alles in Zahlen zu pressen. Entscheidend ist die gemeinsame Klärung: Was wollen wir erreichen? Woran merken wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind? Welche Aktivitäten zahlen wirklich darauf ein? Und was lassen wir bewusst weg?

Für kleine NGOs reicht oft eine einfache Variante. Statt ein komplexes OKR-System einzuführen, kann ein Team pro Quartal ein gemeinsames Ziel formulieren und dazu drei messbare Ergebnisse festlegen. In regelmäßigen Abständen wird geprüft: Sind wir auf Kurs? Brauchen wir andere Maßnahmen? Haben sich Rahmenbedingungen verändert?

OKR kann auch helfen, Wirkung stärker in den Blick zu nehmen. Es reicht nicht, nur Aktivitäten abzuhaken. Eine Veranstaltung ist nicht automatisch erfolgreich, weil sie stattgefunden hat. Interessant ist, was sie ausgelöst hat: Haben Teilnehmende neues Wissen gewonnen? Haben sich neue Kontakte ergeben? Sind Menschen aktiv geworden? Hat sich ein Prozess verbessert?

Gerade für Führung ist OKR deshalb nützlich, weil es Orientierung schafft. Teams können besser entscheiden, welche Aufgaben Priorität haben. Führungskräfte müssen weniger kleinteilig steuern, weil Ziel und Erfolgskriterien klarer sind. Gleichzeitig wird sichtbar, wenn zu viele Ziele gleichzeitig verfolgt werden. Dann entsteht die vielleicht wichtigste Führungsfrage: Was machen wir jetzt nicht?

Macht, Inklusion und Organisationskultur

Ein wichtiger Aspekt guter Führung ist der bewusste Umgang mit Macht. Auch NGOs sind nicht frei von informellen Hierarchien, patriarchalen Mustern oder unsichtbarer Beziehungsarbeit. Organisationen, die gesellschaftliche Veränderung anstreben, müssen ihre eigenen Strukturen kritisch reflektieren. Typische Muster sind zum Beispiel:

  • Entscheidungen werden in alten Netzwerken vorbereitet.
  • Care-Arbeit bleibt unsichtbar.
  • Laute Stimmen dominieren Diskussionen.
  • Kritik wird personalisiert.
  • Frauen übernehmen überdurchschnittlich oft Beziehungs- und Vermittlungsarbeit.
  • Gremien bleiben in ihrer Zusammensetzung zu homogen.

Führungsantworten darauf sind oft sehr konkret: Entscheidungen transparent dokumentieren, Aufgaben sichtbar verteilen, Redeanteile moderieren, Feedbackregeln etablieren, Gremien divers besetzen und Verantwortlichkeiten bewusst rotieren lassen. Führung bedeutet damit auch, Macht nicht zu leugnen, sondern sie verantwortlich zu gestalten. Das gilt besonders für Organisationen, die nach außen für Demokratie, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit oder Teilhabe eintreten. Glaubwürdigkeit entsteht nicht nur durch Inhalte, sondern auch durch die Art, wie intern entschieden, geführt und zusammengearbeitet wird.

Partizipation funktioniert zudem nur, wenn Menschen tatsächlich teilnehmen können. Deshalb gehört Inklusion zu guter Führung dazu. Wer Meetings, Ehrenamtsformate oder Beteiligungsprozesse gestaltet, muss fragen: Wer kann hier mitmachen – und wer wird durch Sprache, Technik, Zeit, Ort oder informelle Codes ausgeschlossen? Inklusive Führung beginnt bei einfachen Entscheidungen:

  • verständliche Sprache
  • klare Tagesordnungen
  • barrierearme digitale Tools
  • gute Moderation
  • transparente Vorbereitung
  • Pausen
  • hybride Zugänge
  • Möglichkeit, sich auch schriftlich einzubringen

Nicht jede Person spricht gern spontan in großen Runden. Nicht jede Person kann abends lange Termine wahrnehmen. Nicht jede Person versteht organisationsinterne Abkürzungen oder informelle Entscheidungswege. NGOs, die auf Beteiligung setzen, sollten ihre eigenen Formate regelmäßig prüfen. Beteiligung ist nicht automatisch inklusiv, nur weil sie offen angeboten wird. Sie wird erst dann wirksam, wenn unterschiedliche Menschen realistische Möglichkeiten haben, sich einzubringen.

Fazit und Ausblick

Der NGOplus-Dialog zeigte: Führung in NGOs bewegt sich im Spannungsfeld von Beteiligung und Entscheidung, Vertrauen und Verbindlichkeit, Sinnorientierung und Struktur. Gemeinnützige Organisationen brauchen Führung, die Menschen ernst nimmt und gleichzeitig Orientierung gibt. Sie brauchen Räume für Mitgestaltung, aber auch klare Zuständigkeiten. Sie brauchen Werte, aber auch Verfahren. Sie brauchen Vertrauen, aber auch Feedback. Und sie brauchen eine Kultur, in der Verantwortung nicht an Einzelpersonen hängen bleibt, sondern gemeinsam getragen werden kann.

Der wichtigste Impuls des Abends lautet daher: Gute Führung zeigt sich nicht zuerst in Leitbildern, sondern in konkreten Praktiken: in klaren Rollen, guten Gesprächen, transparenten Entscheidungen, wertschätzender Ehrenamtsarbeit, inklusiver Beteiligung und der Bereitschaft, aus Erfahrungen zu lernen.

Damit knüpft der Dialog direkt an den Anspruch von NGOplus an: Organisationen im gemeinnützigen Bereich nicht nur mit Wissen zu versorgen, sondern sie in ihrer praktischen Handlungsfähigkeit zu stärken.

Wollen Sie das Thema weiter vertiefen? Dann melden Sie sich jetzt zu NGOplus „Austausch & Vertiefung“ am Mittwoch, 24. Juni 2026, von 17:00 bis 18:00 Uhr an. In Kleingruppen diskutieren wir die drängendsten Fragen rund um Moderne Führung. Hier geht es zur Anmeldung!

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