Stromlücke
Eine Gruppe von namhaften Politikern, Energieforschern und Umweltschützern hat sich in einem Aufruf, der am 21. April in der Frankfurter Rundschau veröffentlicht wurde, gegen die Propaganda von der „Stromlücke“ gewandt. Hintergrund ist die konzertierte Kampagne der Stromwirtschaft, des Bundesumweltministers Gabriel und der von beiden abhängigen DENA (Deutsche Energieagentur) gegen den Widerstand allerorten, weitere Kohle-Großkraftwerke zu verhindern. Der teilweise unbedarften Öffentlichkeit wird suggeriert, ohne vermehrten Zubau weiterer Monsterkraftwerke würde Deutschland bald auf die Stufe eines Entwicklungslandes absinken.
Das Umweltbundesamt, die wissenschaftliche Fachbehörde des Bundesumweltministeriums, hat noch Ende März d. J. in der Studie „Atomausstieg und Versorgungssicherheit“ in einem Fazit festgestellt, dass „keine zusätzlichen Kohlekraftwerke über die heute schon im Bau befindlichen Kraftwerke hinaus“ notwendig sind!
siehe hierzu den Link "Eine „Stromlücke“ ist nicht zu erwarten"
Wir alle wollen eine andere Energiepolitik und keine weitere Zementierung der bisherigen Verhältnisse!
Deshalb sollten wir diesen Aufruf nach Kräften unterstützen! Alle, und insbesondere die Umweltverbände, sind gefordert!
Kommentar
Mehr Mut zum Umdenken!
Von Frank-Thomas Wenzel
Von wegen "voRWEg gehen". Das neue Motto des Essener Konzerns suggeriert das Gegenteil dessen, was die Firma tatsächlich macht. Die Manager setzen auf Bewährtes - ebenso wie die Führungskräfte von Eon, Vattenfall und EnBW. Den Großen geht's um Großkraftwerke, die mit Kohle und Atomkraft Strom erzeugen.
Deshalb wird die Politik scheitern, wenn sie sich bei einer der wichtigsten Aufgaben auf die Energieriesen verlässt, nämlich Wohlstand, Wachstum und Umweltschutz unter einen Hut zu bringen. Wie das gehen soll? Mit neuen Konzepten der Stromerzeugung und -verteilung.
Die neue Energie beruht nicht auf Großkraftwerken
Innovationen schaffen aber vor allem große Konzerne, weil sie die Mittel dafür haben - in der Computerbranche funktioniert das überaus erfolgreich. Doch in der Strombranche läuft's so nicht. RWE und Co. würden sich damit ihr eigenes Geschäftsmodell kaputt machen.
Denn die neue Energie beruht nicht auf Großkraftwerken, sondern auf Strom, den viele Kleine dezentral erzeugen - etwa mit Biogas- und Windkraftanlagen und mit Blockheizkraftwerken, die zusammengeschaltet werden, um einen verlässlichen Output zu gewährleisten. Das bedeutet: Die staatliche Förderung erneuerbarer Energien muss weit über das bisherige Maß hinaus gehen.
Und das ist in jedem Fall eine rentierliche Investition, auch weil die Produkte enorme Exportchancen bieten. Die schwerste Aufgabe für die Politik besteht wohl darin, dies gegen die mächtigen Konzerne durchzusetzen. Mit einem Wirtschaftsminister wie Michael Glos, der ständig die "Stromlücke" beschwört, kommt jedenfalls nichts in Bewegung.
Zum Originalartikel in der Frankfurter Rundschau FR-online.de
Angebliche "Stromlücke"
Stromriesen am Pranger
VON JOACHIM WILLE
Langsam wird es ungemütlich für die deutschen Stromriesen. Eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten, Energieforschern und Umweltschützern hat die Konzerne wegen ihrer Warnung vor einer vermeintlichen "Stromlücke" heftig angegriffen.
Eon, RWE, Vattenfall und EnBW blockierten den Umbau der Energieversorgung, heißt es in ihrem Aufruf, der der Frankfurter Rundschau vorliegt. Hinter der Warnung stehe "die Verteidigung marktbeherrschender Stellungen auf dem Strommarkt und von Eigeninteressen" - die Konzerne fordern neue Kohlekraftwerke und längere Laufzeiten für Atommeiler.
"Keine Stromlücke, aber eine Handlungslücke"
Tatsächlich gibt es nach Ansicht der Autoren "keine Stromlücke, aber eine Handlungslücke". Ein Blackout drohe nur, wenn die von der Bundesregierung beschlossenen Schritte nicht umgesetzt würden. Das sind, mit Zieljahr 2020, Stromeinsparung um elf Prozent, Ausbau des Ökostrom-Anteils von derzeit 14 auf 30 Prozent sowie Verdoppelung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) in der fossilen Stromproduktion auf 25 Prozent. Bei KWK-Anlagen wird die Abwärme nicht ungenutzt in die Umwelt gepustet, sondern zum Heizen oder in der Industrie genutzt.
Die Unterzeichner, zu denen Umwelt-Staatssekretär Michael Müller (SPD) und weitere SPD-Abgeordnete, der CSU-Politiker Josef Göppel sowie die Professoren Peter Hennicke (Wuppertal-Institut), Ernst von Weizsäcker und Klaus Traube gehören, kritisieren auch die bundeseigene Deutsche Energieagentur (Dena).
Die Dena hat eine von den Energieunternehmen finanzierte Studie vorgelegt, in der sie voraussagt, dass 2020 etwa 15 konventionelle Kraftwerke fehlten. In dem Aufruf heißt es, die Agentur habe vorhandene Potenziale nicht ausreichend berücksichtigt. Allein durch die Nutzung effizienter Hausgeräte könnten in Deutschland sieben Großkraftwerke "weggespart" werden.
"Preise müssten deutlich steigen"
Das Öko-Institut sieht ebenfalls keine Anzeichen für einen baldigen Mangel an Elektrizität. Es hat die bis 2014 verfügbaren Handelsdaten der Strombörse EEX ausgewertet und urteilt: Es gebe dort "keine Knappheitssignale…, die mit einer absehbaren Stromlücke einher gehen müssten". Instituts-Experte Felix Matthes erläutert: "Preise für langfristige Stromlieferungen müssten deutlich steigen, da der Strom knapp würde. Das ist nicht der Fall."
Er hält es bei Umsetzung der Energiepläne der Bundesregierung für möglich, am Atomausstieg festzuhalten und bis etwa 2020 auf den Bau zusätzlicher Kohlekraftwerke zu verzichten. Es sei im Zweifel sinnvoller, alte Kohlemeiler länger zu betreiben statt neue zu bauen, die dann 40 bis 50 Jahre lang viel CO2 ausstoßen, sagte Matthes der Frankfurter Rundschau.
Fachleute erwarten, dass um 2020 die CO2-Abscheide-Technologie marktreif ist, mit der die Kohle deutlich klimafreundlicher gemacht werden könne. Dies solle abgewartet werden, so Matthes.
Die Deutsche Bank erwartet, dass die Stromerzeugung in fossilen Großkraftwerken deutlich teurer wird. Ihre Energieexperten befürworten einen breiten Mix, in dem die erneuerbaren Energien "auf einem sehr steilen Expansionskurs bleiben" und die klimafreundliche Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) stark zunimmt.
Die Hoffnung, die "Stromlücke" könne so verhindert werden, teilen die Deutschbanker aber nicht. Sie werde aber "verkleinert". Der Chef-Volkswirt der Bank, Norbert Walter, sagte der Frankfurter Rundschau, dass ein Szenario, in dem Deutschland aus der Atomkraft und der Kohle aussteige, sei "völlig irreal" sei.
Walter sagte aber auch: "Es ist gut, dass die Belastung der Umwelt durch den Emissionshandel einen Preis bekommt." Die Kosten für die CO2-Zertifikate, die Kraftwerksbetreiber erwerben müssen, würden "wegen der steigenden Klimagefahren in Zukunft wohl merklich steigen".
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Umweltbundesamt
